Gut sein wollen Im schweren Moment

Britta besuchte letzte Woche ihre Mutter, um gemeinsam mit ihr den 95sten Geburtstag zu verbringen. Am selben Tag stürzte die Mutter, brach sich den Oberschenkel und überlebte die anschließende OP nicht.

Auf einmal war das Elternhaus leer. Eine Mischung aus Erleichterung; Erstaunen und Verwirrung schien sich einzustellen.

Beinhae unmittelbar begann Britta, sich der Hausauflösung zuzuwenden. Sie arbeitete viel.

Ihre Freundin Anne, am anderen Ende des Landes, hätte so gern geholfen. Gute Worte zu finden, fiel ihr nicht leicht. Was für eine Herausforderung. Zum Glück gab es die Schwester.

Sie fand Britta auch jetzt streng mit sich selbst. Viele Erwartungen in die eigene Richtung und viele schwere Gedanken. Zeitdruck, bürokratische Details, ein großer Berg von Anforderungen.

Sie wünschte ihr unausgsprochenerweise Ruhe und Raum für die Trauer, den Abschied. Ein „ehrlicher“ Trauerprozess würde ein guter Beitrag für einen guten, heilsamen Abschied.

Das Kopfzerbrechen, diese Strenge gegen sich selbst – das kannte sie sehr gut. kürzlich hatte sie einen geschätzten Youtuber sagen hören: die Schwere und Zähigkeit in Prozessen kommt nicht von den Umständen selbst. Sondern vom Hadern damit: es sollte so nicht sein. Widerstand gegen das, was war. Das zu wissen, könnte auch Britta das Leben jetzt leichter machen, fand sie.

Sie sagte es ihr.

Gut gemeint und knapp daneben

Britta haderte mit Annes Sprachnachricht. Sie empfand es als Belehrung. Ein Eindringen in ihren sensiblen Raum.

Und sagte ihr – sie habe sich die Nachricht zweimal angehört und komme zu dem Schluss, dass sie es belehrend findet.

Schnittmenge Aufrichtigkeit

Britta und Anne hatten sich im Sommer im Pure Honesty Training kennengelernt. Danach hatten sie sich vorgenommen, sich im aufrichtigen 2er Kontakt zu begegnen.

Es war für Britta überhaupt nicht leicht, diese Wahrnehmung auszusprechen. Sie wusste ja, dass es gut gemeint war. Das Commitment ermöglichte es.

Feine andere Töne

Gleichzeitig erzählte sie in derselben Nachricht, wie sie jetzt Kleinigkeiten entdeckt, die sie mit der Mutter in Kontakt bringen. Mit einer zarten, verborgenen Seite der Mutter, die sie zum ersten Mal sah.

Anne wird still

Beim Zuhören wird Anne bewusst, dass Begleitung jetzt Zuhören heißt. Gemeinsam ins Berührtsein zu kommen. Ein wenig schämte sie sich auch. Ihr wird wieder mal bewusst, dass sie selbst noch viel zu lernen hat.

Less than perfect – Anne wollte gut sein

Anne hatte vermutet, dass Britta diese Nachricht erleichtern wird. Und ihrem impulsiven Temperament folgend sprach sie es aus. Das Bedürfnis, zu unterstützen – etwas Gutes zur schweren Situation beizutragen, ist mächtig.

Anne verstand Britta. Und war dankbar, dass sie das aussprach. Es zeigte ihr, dass Vertrauen zwischen ihnen war. Und sie hatte etwas Wichtiges gelernt.

Kommunikationssperren als pures Wandlungspotential

Britta und Anne lernen sich kennen. Sie wissen, dass es eine neue Sprache braucht, um zur Veränderung der Gesellschaft beizutragen. Jeder muss lernen, für sich selbst und seine Bedürfnisse einzustehen.

Britta ist mutig gewesen und hat ihre Empfindung ausgesprochen. Obwohl sie die gute Absicht hinter dem „Tipp“ fühlte. Sie sagte implizit: ich brauche etwas anderes.

Anne konnte das würdigen, auch wenn sich leise Scham einstellte. Und fühlte eine feine Freude. Sie machte ihrerseits einen Schritt vorwärts.

Nicht TUN, sondern einfach daSEIN ist die größte Herausforderung. Belohnt wurden wir für das Handeln.

Und das, was wir jetzt lernen dürfen. Miteinander. Und all-eins.