Endlich gab es ihn wieder: den geliebten Rundweg. Nach 2 Jahren der vergeblichen Suche hatte Astrid schon aufgegeben. Doch eines Morgens im Sommer, an dieser schönen, schattigen Allee beim Friedhof – kam ein alter Jeep näher und hielt an.
Es war tatsächlich Irene, die lachend auf sie zukam. Fast ein Jahr hatten sie sich nicht gesehen. Nach dem Konflikt mit der „So nicht!-Sendepause“war Astrid neugierig, wie es werden würde.
Irene hielt an, stieg aus, und sie umarmten sich herzlich. Astrid war voller Freude und gleichzeitig erstaunt.
Komm steig ein, ich zeig dir das Haus, wo die deutschen Bekannten jetzt einziehen. Astrids Herz machte einen Sprung und sie stieg ein.
Sie fuhren zu einem Anwesen mit weitem Blick über die Berge. Wieder eine dieser versteckten alten Haus-Perlen an irgendeinem Bergrücken.
Hinter einer Koppel entdeckte Astrid einen Weg in den Wald und fragte Irene, wo er hinführt. Zu mir, sagte sie erfreut. Viertelstunde über Stock und Stein, immer rechts halten und dem Kuhweg folgen.
Astrid jubelte leise: das ist mein Rundweg! Denn von Irenes Haus aus kannte sie sich aus.
Für diesmal blieb es beim kurzen Wiedersehen und bester Dinge wanderte Astrid zurück nachhause, zur Mühle.
Gleich am nächsten Morgen ging sie, voller Neugier auf den neuen Rundweg, los. Diese Abwechslung, wunderbar! Wald, schattige Wege, Steinstraßen, keinerlei Autogeräusche, fast kein Asphalt, nur grüne Schönheit. Sie wurde des grandiosen Blicks in das prachtvolle Toskana Gebirge nicht satt.
Und so wurde es tatsächlich Astrids neues Rundweg Ritual. Und da der Weg über den Berg an Irenes Grundstück vorbei ging, trafen sich die Beiden auch wieder öfters.
Anfangs noch etwas schüchtern. Und dann immer freudiger und herzlicher. Und Schritt für Schritt kam, ohne direkt darüber zu sprechen, der Frieden zurück.
Mit Freude zeigte Irene Astrid ihre Werke. In liebevoller Detailarbeit hatte sie die alten Fliesenböden im Haus behandelt: abgeschliffen und lackiert in warmen, schönen Tönen. Und alle feinen Details an den Wänden und überall in den Räumen liebevoll neu angeordnet. Irene war Künstlerin mit Leib und Seele. Und sah und lebte und war Schönheit.
Das verband die beiden. Schönheit war auch für Astrid ein Lebenselixier. Ein Motiv, eine Freude.
Nicht selten federt Astrid seitdem auf dem Rückweg leicht den Hügel hinunter. Und freut sich. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Mit den richtigen Menschen.
Und es verband noch etwas: sie wussten beide, dass der Knall vom Vorjahr wichtig gewesen war. Dass sie etwas miteinander lernten.
Astrid hatte unendlich viel über sich selbst verstanden. Hatte sich selbst erkannt. Und hatte auch Irenes Frust – Zeit verzögert – verstanden. Alles wurde klarer. Zwei Frauen im 3. Lebensdritte. Auf dem Weg zu sich selbst.
Es gibt Dinge, die sich nicht mit Worten im selben Moment klären lassen.